Eines der mächtigsten je für die Reformation abgelegten Bekenntnisse ist der von den christlichen Fürsten Deutschlands 1529 auf dem zweiten Reichstag zu Speyer erhobene Protest. Der Mut, die Zuversicht und die Entschiedenheit dieser frommen Männer bahnten kommenden Geschlechtern den Weg zu Glaubens- und Gewissensfreiheit. Wegen dieses Protestes hießen die Anhänger des neuen Glaubens fortan Protestanten; die Grundsätze ihres Protestes „sind der wesentliche Inhalt des Protestantismus“. (D‘Aubigné, „Geschichte der Reformation“, 13.Buch, 6.Abschnitt, 59) {GK 197.1}

Ein dunkler und drohender Tag war für die Reformation angebrochen. Der Erlaß von Worms hatte Luther für vogelfrei erklärt und die Verbreitung des evangelischen Glaubens untersagt; doch beließ man es im Reich bei einer religiösen Duldung. Die göttliche Vorsehung hatte die der Wahrheit widerstreitenden Mächte im Zaum gehalten. Wohl war Karl V. entschlossen, die Reformation auszurotten; so oft er aber die Hand zum Streich ausholte, zwangen ihn immer wieder besondere Umstände, davon abzusehen. Mehrmals schien der unmittelbare Untergang aller Gegner Roms unausbleiblich; aber in diesen kritischen Zeitpunkten bewahrte sie einmal das Erscheinen des türkischen Heeres an der Ostgrenze vor Verfolgung, zum andern zogen der König von Frankreich, ja gar der Papst, mißgünstig gestimmt über die zunehmende Größe des Kaisers, gegen diesen in den Krieg. Dadurch bot sich der Reformation inmitten der Streitigkeiten der Völker Gelegenheit, sich innerlich zu festigen und auszubreiten. {GK 197.2}

Schließlich hatten die katholischen Fürsten ihre Zwistigkeiten beigelegt, um gemeinsam gegen die Reformatoren vorgehen zu können. Der Reichstag zu Speyer im Jahre 1526 hatte jedem der deutschen Länder völlige Freiheit in Religionssachen zugebilligt bis zur Einberufung eines allgemeinen Konzils. Doch kaum waren die Gefahren, unter denen dieses Übereinkommen vereinbart wurde, vorüber, berief der Kaiser 1529 einen weiteren Reichstag nach Speyer, um die Ketzerei zu vernichten. Die Fürsten sollten womöglich durch friedliche Mittel veranlaßt werden, sich gegen die Reformation zu erklären; sollte das jedoch ergebnislos sein, wollte der Kaiser zum Schwert greifen. {GK 197.3}

Die päpstlich Gesinnten stellten sich in gehobener Stimmung zahlreich in Speyer ein und legten ihre Feindseligkeit gegen die Reformatoren und ihre Gönner offen an den Tag. Da sagte Melanchthon: „Wir sind der Abschaum und der Kehrricht der Welt; aber Christus wird auf sein armes Volk herabsehen und es bewahren.“ Den evangelischen Kirchenfürsten, die an dem Reichstag teilnahmen, wurde es sogar untersagt, das Evangelium in ihrer Wohnung predigen zu lassen. Doch die Menschen in Speyer dürsteten nach dem Worte Gottes, und Tausende strömten trotz des Verbotes zu den Gottesdiensten, die in der Kapelle des Kurfürsten von Sachsen abgehalten wurden. {GK 198.1}

Kaiser Karl V., von Juan Pantoja de la Cruz, nach einem Gemälde von Tizian, um 1550

Dies beschleunigte die Entscheidung. Eine kaiserliche Botschaft forderte den Reichstag auf, den Gewissensfreiheit gewährenden Beschluß, da er zu großen Unordnungen Anlaß gegeben habe, für null und nichtig zu erklären. Diese willkürliche Handlung erregte bei den evangelischen Christen Entrüstung und Bestürzung. Einer sagte: „Christus ist wieder in den Händen von Kaiphas und Pilatus.“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51ff.) Die Römlinge wurden immer heftiger. Ein von blindem Eifer ergriffener Päpstlicher erklärte: „Die Türken sind besser als die Lutheraner; denn die Türken beobachten das Fasten, und diese verletzen es. Man darf eher die Schrift als die alten Irrtümer der Kirche verwerfen.“ Melanchthon schrieb über Faber, den Beichtvater König Ferdinands und späteren Bischof von Wien: „Täglich schleuderte er in seinen Predigten einen neuen Pfeil gegen die Evangelischen.“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51ff.) {GK 198.2}

Die religiöse Duldung war gesetzlich eingeführt worden, und die evangelischen Länder waren entschlossen, sich jedem Eingriff in ihre Rechte zu widersetzen. Luther, der noch immer unter der durch das Edikt von Worms auferlegten Reichsacht stand, durfte in Speyer nicht teilnehmen; seine Stelle nahmen seine Mitarbeiter und die Fürsten ein, die Gott erweckt hatte, seine Sache bei diesem Anlaß zu verteidigen. Der edle Kurfürst Friedrich von Sachsen, Luthers früherer Beschützer, war gestorben; aber auch Kurfürst Johann, sein Bruder und Nachfolger, hatte die Reformation freudig begrüßt. Während er sich als ein Freund des Friedens erwies, legte er gleichzeitig in allen Glaubensangelegenheiten Mut und große Tatkraft an den Tag. {GK 198.3}

Die Priester verlangten, die Länder, die sich zur Reformation bekannt hatten, sollten sich der römischen Gerichtsbarkeit bedingungslos unterwerfen. Die Reformatoren auf der andern Seite machten die Freiheit geltend, die ihnen früher gewährt worden war. Sie konnten nicht einwilligen, daß Rom jene Länder unter seine Herrschaft brächte, die das Wort Gottes mit so großer Freude aufgenommen hatten. {GK 199.1}

Man schlug schließlich vor, das Edikt von Worms solle dort streng gehandhabt werden, wo die Reformation noch nicht Fuß gefaßt hätte; „wo man aber davon abgewichen und wo dessen Einführung ohne Volksaufruhr nicht möglich sei, solle man wenigstens nicht weiter reformieren, keine Streitfragen verhandeln, die Messe nicht verbieten, keinen Katholiken zum Luthertum übertreten lassen“. (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51ff.) Dieser Vorschlag wurde zur großen Genugtuung der päpstlichen Priester und Prälaten vom Reichstag genehmigt. {GK 199.2}

Falls diese Maßregel „Gesetzeskraft erhielt, so konnte sich die Reformation weder weiter ausbreiten … wo sie noch nicht war, noch wo sie bestand, festen Boden gewinnen“. (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51ff.) Die Freiheit der Rede würde dadurch verboten, keine Bekehrungen mehr gestattet werden. Von den Freunden der Reformation wurde verlangt, sich diesen Einschränkungen und Verboten ohne weiteres zu unterwerfen. Die Hoffnung der Welt schien dem Erlöschen nahe. „Die … Wiederherstellung der römischen Hierarchie mußte die alten Mißbräuche hervorrufen“, und leicht konnte eine Gelegenheit gefunden werden, „das so stark erschütterte Werk durch Schwärmerei und Zwiespalt vollends zu vernichten“. (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51ff.) {GK 199.3}

Landgraf Philipp von Hessen, Portrait von Hans Krell, 1534, Bedeutender Vertreter der evangelischen Fürsten

Als die evangelische Partei zur Beratung zusammentrat, blickte man sich bestürzt an. Von einem zum andern ging die Frage: „Was ist zu tun?“ Gewaltige Folgen für die Welt standen auf dem Spiel. „Sollten die führenden Köpfe der Reformation nachgeben und das Edikt annehmen? Wie leicht hätten die Reformatoren in diesem entscheidenden Augenblick, der in der Tat außerordentlich wichtig war, sich dazu überreden können, einen falschen Weg einzuschlagen. Wie viele glaubhafte Vorwände und annehmbare Gründe für ihre Unterwerfung hätten sich finden lassen! Den lutherisch gesinnten Fürsten war die freie Ausübung ihres Glaubens zugesichert. Dieselbe Begünstigung erstreckte sich auch auf alle ihre Untertanen, die, noch ehe die Maßregeln getroffen wurden, die reformierte Lehre angenommen hatten. Konnte sie dies nicht zufriedenstellen? Wie vielen Gefahren würde man durch eine Unterwerfung ausweichen! Doch auf welch unbekannte Wagnisse und Kämpfe würde der Widerstand sie treiben! Wer weiß, ob sich in Zukunft je wieder solch eine Gelegenheit bieten würde! Lasset uns den Frieden annehmen; lasset uns den Ölzweig ergreifen, den Rom uns entgegenhält, und die Wunden Deutschlands schließen. Mit derartigen Beweisgründen hätten die Reformatoren sich bei der Annahme eines Weges, der unvermeidlich bald darauf den Umsturz ihrer Sache herbeigeführt haben würde, rechtfertigen können. {GK 199.4}

Glücklicherweise erkannten sie den Grundsatz, auf dem diese Anordnung beruhte, und handelten im Glauben. Was war das für ein Grundsatz? — Es war das Recht Roms, das Gewissen zu zwingen und eine freie Untersuchung zu untersagen. Sollten aber sie selbst und ihre protestantischen Untertanen sich nicht der Religionsfreiheit erfreuen? — Ja, als eine Gunst, die in der Anordnung besonders vorgesehen war, nicht aber als ein Recht. In allem, was in diesem Abkommen nicht einbegriffen war, sollte der herrschende Grundsatz der Autorität maßgebend sein; das Gewissen wurde nicht berücksichtigt; Rom war der unfehlbare Richter, und ihm muß man gehorchen. Die Annahme der vorgeschlagenen Vereinbarung wäre ein tatsächliches Zugeständnis gewesen, daß die Religionsfreiheit (Siehe Anm. 032) auf das protestantische Sachsen beschränkt werden müßte; was aber die übrige Christenheit angehe, so seien freie Untersuchung und das Bekenntnis des reformierten Glaubens Verbrechen, die mit Kerker und Scheiterhaufen zu ahnden wären. Dürften sie der örtlichen Beschränkung der Religionsfreiheit zustimmen, daß man verkündige, die Reformation habe ihren letzten Anhänger gewonnen, ihren letzten Fußbreit erobert? Und sollte dort, wo Rom zu dieser Stunde sein Zepter schwang, seine Herrschaft ständig aufgerichtet bleiben? Könnten die Reformatoren sich unschuldig fühlen an dem Blut jener Hunderte und Tausende, die in Erfüllung dieser Anordnung ihr Leben in päpstlichen Ländern opfern müßten? Dies hieße, in jener so verhängnisvollen Stunde die Sache des Evangeliums und die Freiheit der Christenheit zu verraten.“ „Lieber wollten sie … ihre Länder, ihre Kronen, ihr Leben opfern.“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51ff.){GK 200.1}

„Wir verwerfen diesen Beschluß“, sagten die Fürsten. „In Gewissensangelegenheiten hat die Mehrheit keine Macht.“ Die Abgesandten erklärten: „Das Dekret von 1526 hat den Frieden im Reich gestiftet; hebt man es auf, so heißt das, Deutschland in Hader und Zank zu stürzen. Der Reichstag hat keine weitere Befugnis als die Aufrechterhaltung der Glaubensfreiheit bis zu einem Konzil.“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51ff.) Die Gewissensfreiheit zu schützen, ist die Pflicht des Staates, und dies ist die Grenze seiner Machtbefugnis in religiösen Dingen. Jede weltliche Regierung, die versucht, mit Hilfe der Staatsgewalt religiöse Gebräuche zu regeln oder durchzusetzen, opfert gerade den Grundsatz, für den die evangelischen Christen in so edler Weise kämpften. {GK 201.1}

Die Päpstlichen beschlossen, das, was sie „frechen Trotz“ nannten, zu unterdrücken. Sie versuchten die Anhänger der Reformation zu spalten, und alle, die sich nicht offen für sie erklärt hatten, einzuschüchtern. Die Vertreter der freien Reichsstädte wurden schließlich vor den Reichstag geladen und aufgefordert, zu sagen, ob sie auf die Bedingungen jenes Vorschlages eingehen wollten. Sie baten um Bedenkzeit, aber vergebens. Als sie auf die Probe gestellt wurden, schloß sich fast die Hälfte von ihnen den Reformatoren an. Die sich auf diese Weise weigerten, die Gewissensfreiheit und das Recht des persönlichen Urteils zu opfern, wußten wohl, daß ihre Stellung sie künftigem Tadel, Verurteilung und Verfolgung aussetzen würde. Einer der Abgeordneten bemerkte: „Das ist die erste Probe … bald kommt die zweite: das Wort Gottes widerrufen oder brennen.“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51ff.) {GK 201.2}

König Ferdinand, der spätere Kaiser Ferdinand I., Gemälde von Hans Bocksberger, 16.Jh.

König Ferdinand, der Stellvertreter des Kaisers auf dem Reichstag, sah, daß das Dekret ernstliche Spaltungen hervorriefe, falls die Fürsten nicht veranlaßt würden, es anzunehmen und zu unterstützen. Er versuchte es deshalb mit der Überredungskunst, wohl wissend, daß Gewaltanwendung solche Männer nur noch entschiedener machen würde. Er „bat die Fürsten um Annahme des Dekrets, für welchen Schritt der Kaiser ihnen großen Dank wissen würde“. (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51ff.) Aber diese treuen Männer erkannten eine Autorität an, welche die irdischer Herrscher überstieg, und sie antworteten: „Wir gehorchen dem Kaiser in allem, was zur Erhaltung des Friedens und zur Ehre Gottes dienen kann.“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51ff.) {GK 201.3}

In Gegenwart des Reichstages kündigte der König dem Kurfürsten und seinen Freunden schließlich an, daß die Entschließung bald als kaiserliches Dekret abgefaßt werden sollte und sie sich der Mehrheit unterwerfen müßten. Als er dies gesagt hatte, zog er sich aus der Versammlung zurück und gab den Protestanten keine Gelegenheit zur Beratung oder zur Erwiderung. Diese schickten eine Abordnung an den König und baten ihn, zurückzukommen. Umsonst! Auf ihre Vorstellungen antwortete er nur: „Die Artikel sind beschlossen; man muß sich unterwerfen.“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51f.) {GK 202.1}

Die kaiserliche Partei war überzeugt, daß die christlichen Fürsten an der Heiligen Schrift festhalten würden, da sie über menschlichen Lehren und Vorschriften steht; und sie wußten, daß die Annahme dieses Grundsatzes am Ende zum Sturz des Papsttums führen mußte. Aber sie schmeichelten sich wie auch Tausende nach ihnen, indem sie nur „auf das Sichtbare“ schauten, daß die stärkeren Trümpfe beim Kaiser und beim Papst lägen, während die Seite der Reformation nur schwach sei. Hätten sich die Reformatoren einzig auf ihre menschliche Macht verlassen, wären sie so hilflos gewesen, wie die Päpstlichen vermuteten. Obgleich gering an Zahl und uneins mit Rom, waren sie doch stark. „Vielmehr appellierten sie vom Beschluß des Reichstages an Gottes Wort, von Kaiser Karl an Jesus Christus, den König aller Könige, den Herrn aller Herren.“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 5.Abschnitt, 51f.)1 {GK 202.2}

Da Ferdinand sich geweigert hatte, ihre Gewissensüberzeugung zu berücksichtigen, beschlossen die Fürsten, ungeachtet seiner Abwesenheit ihren Protest unverzüglich vor die versammelten Stände zu bringen. Eine feierliche Erklärung wurde aufgesetzt und dem Reichstag unterbreitet: „Wir protestieren durch diese Erklärung vor Gott, unserem einigen Schöpfer, Erhalter, Erlöser und Seligmacher, der einst uns richten wird, und erklären vor allen Menschen und Kreaturen, daß wir für uns und die Unsrigen in keiner Weise dem vorgelegten Dekret beipflichten oder beitreten, und allen den Punkten, welche Gott, seinem heiligen Worte, unserem guten Gewissen, unserer Seligkeit zuwiderlaufen. {GK 202.3}

Wie sollten wir das Edikt billigen können und dadurch erklären, daß, wenn der allmächtige Gott einen Menschen zu seiner Erkenntnis beruft, dieser Mensch nicht die Freiheit hat, diese Erkenntnis anzunehmen! … Da nur die Lehre, welche Gottes Wort gemäß ist, gewiß genannt werden kann, da der Herr eine andere zu lehren verbietet, da jeder Text der Heiligen Schrift durch deutlichere Stellen derselben ausgelegt werden soll, da dieses heilige Buch in allem, was dem Christen not tut, leicht verständlich ist und das Dunkel zu zerstreuen vermag: so sind wir mit Gottes Gnade entschlossen, allein die Predigt des göttlichen Wortes, wie es in den biblischen Büchern des Alten und Neuen Testaments enthalten ist, lauter und rein, und nichts, was dawider ist, aufrechtzuerhalten. Dieses Wort ist die einige Wahrheit, die alleinige Richtschnur aller Lehre und alles Lebens und kann nicht fehlen noch trügen. Wer auf diesen Grund baut, besteht gegen alle Mächte der Hölle; alle Menschentorheit, die sich dawiderlegt, verfällt vor Gottes Angesicht … {GK 203.1}

Deshalb verwerfen wir das Joch, das man uns auflegt … Wir hoffen, Ihre Kaiserliche Majestät werde als ein christlicher Fürst, der Gott vor allen Dingen liebt, in unserer Sache verfahren, und erklären uns bereit, ihm, wie euch, gnädige Herren, alle Liebe und allen Gehorsam zu erzeigen, welches unsere gerechte und gesetzliche Pflicht ist.“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 6.Abschnitt) {GK 203.2}

Diese Protestation machte auf den Reichstag tiefen Eindruck. Die Mehrheit wurde ob der Kühnheit der Protestierenden mit Erstaunen und Bestürzung erfüllt. Die Zukunft stellte sich ihnen stürmisch und ungewiß vor. Uneinigkeit, Streit und Blutvergießen schienen unvermeidlich. Die Protestanten aber, von der Gerechtigkeit ihrer Sache überzeugt und sich auf den Arm des Allmächtigen verlassend, „blieben fest und mutig“. (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 6.Abschnitt) {GK 203.3}

„Die in dieser berühmten Protestation … ausgesprochenen Grundsätze sind der wesentliche Inhalt des Protestantismus. Die Protestation tritt gegen zwei menschliche Mißbräuche in Glaubenssachen auf: gegen die Einmischung der weltlichen Macht und gegen die Willkür des Klerus. Sie setzt an die Stelle der weltlichen Behörde die Macht des Gewissens, und an die Stelle des Klerus die Autorität des Wortes Gottes. Der Protestantismus erkennt die weltliche Gewalt in göttlichen Dingen nicht an und sagt, wie die Apostel und die Propheten: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. Ohne Karls V. Krone anzutasten, hält er die Krone Jesu Christi aufrecht, und noch weitergehend stellt er den Satz auf, daß alle Menschenlehre den Aussprüchen Gottes untergeordnet sein soll.“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 6.Abschnitt) Die Protestierenden hatten ferner ihr Recht geltend gemacht, ihre religiöse Überzeugung frei aussprechen zu können. Sie wollten nicht nur glauben und befolgen, was das Wort Gottes ihnen nahebrachte, sondern es auch lehren, und sie stellten das Recht der Priester oder Behörden in Abrede, sich hierbei einzumischen. Der Protest zu Speyer war ein feierliches Zeugnis gegen religiöse Unduldsamkeit und eine Behauptung des Rechtes aller Menschen, Gott nach ihrem eigenen Gewissen anzubeten. {GK 203.4}

Die Erklärung war abgegeben. Sie war Tausenden ins Gedächtnis geschrieben und in die Bücher des Himmels eingetragen worden, wo keine menschliche Anstrengung sie auslöschen konnte. Das ganze evangelische Deutschland nahm den Protest als Ausdruck seines Glaubens an. Überall erblickten die Menschen in dieser Erklärung den Anfang einer neuen und besseren Zeit. Einer der Fürsten sagte den Protestanten in Speyer: „Der allmächtige Gott, der euch die Gnade verliehen, ihn kräftig, frei und furchtlos zu bekennen, bewahre euch in dieser christlichen Standhaftigkeit bis zum Tage des Gerichts!“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 6.Abschnitt) {GK 204.1}

Hätte die Reformation nach einem erfolgreichen Anfang eingewilligt, sich den Zeitumständen anzupassen, um sich die Gunst der Welt zu erwerben, so wäre sie Gott und sich selbst untreu geworden und hätte auf diese Weise selbst ihren Untergang bewirkt. Die Erfahrung jener prächtigen Reformatoren enthält eine Lehre für alle späteren Zeiten. Satans Art und Weise, gegen Gott und sein Wort zu wirken, hat sich nicht verändert; er stellt sich noch immer ebenso sehr dagegen, die Heilige Schrift zum Führer des Lebens zu machen, wie im 16.Jahrhundert. Heutzutage weicht man stark von ihren Lehren und Geboten ab, und eine Rückkehr zu dem protestantischen Grundsatz, die Bibel und nur die Bibel als Richtschnur des Glaubens und der Pflicht zu betrachten, ist notwendig. Satan wirkt noch immer mit allen Mitteln, über die er verfügt, um die religiöse Freiheit zu unterdrücken. Die Macht, die die protestierenden Fürsten in Speyer verwarfen, suchte nun mit erneuerter Kraft die verlorene Oberherrschaft wiederzugewinnen. Das gleiche unwandelbare Festhalten am Worte Gottes, das sich in jener Entscheidungsstunde der Reformation bekundete, ist die einzige Hoffnung für eine Reform der Gegenwart. {GK 204.2}

Philipp Melanchthon (1497-1560), Gemälde von Lukas Cranach d.Ä. 1543

Die Protestanten erkannten Anzeichen der Gefahr. Es gab aber auch Anzeichen, daß die göttliche Hand ausgestreckt war, um die Getreuen zu beschützen. „Kurz vorher hatte Melanchthon seinen Freund Simon Grynäus rasch durch die Stadt an den Rhein geführt mit der Bitte, sich übersetzen zu lassen. Als dieser über das hastige Drängen erstaunt war, erzählte ihm Melanchthon: Eine ernste, würdige Greisengestalt, die er nicht gekannt, sei ihm entgegengetreten mit der Nachricht, Ferdinand habe Häscher abgeschickt, um den Grynäus zu verhaften.“(D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 6.Abschnitt) {GK 205.1}

Am Tage hatte sich Grynäus über eine Predigt Fabers, eines führenden katholischen Gelehrten, entrüstet; nach der Predigt machte er ihm Vorhaltungen darüber und bat ihn, „die Wahrheit nicht länger zu bekämpfen. Faber hatte seinen Zorn nicht merken lassen, sich aber gleich zum König begeben und von diesem einen Haftbefehl gegen den unbequemen Heidelberger Professor erwirkt. Melanchthon glaubte fest, Gott habe einen Engel vom Himmel gesandt, um seinen Freund zu retten; er blieb am Rhein stehen, bis der Fluß zwischen ihm und seinen Verfolgern war, und als er ihn am entgegengesetzten Ufer angekommen sah, rief er: ‚Endlich ist er denen entrissen, welche nach dem Blute der Unschuldigen dürsten!‘ Nachher erfuhr Melanchthon, daß man unterdessen nach Grynäus in dessen Wohnung gesucht hatte.“ (D‘Aubigné, ebd., 13.Buch, 6.Abschnitt) {GK 205.2}

Die Reformation sollte vor den Gewaltigen dieser Erde zu noch größerer Bedeutung gelangen. Den evangelischen Fürsten war von König Ferdinand versagt worden, gehört zu werden; aber es sollte ihnen Gelegenheit geboten werden, ihre Sache in Gegenwart des Kaisers und der Würdenträger des Staates und der Kirche vorzutragen. Um den Zwiespalt beizulegen, der das Reich beunruhigte, rief Karl V. im folgenden Jahr nach dem Protest von Speyer den Reichstag nach Augsburg zusammen und gab bekannt, daß er die Absicht habe, persönlich den Vorsitz zu führen. Dorthin wurden die Führer der Protestanten geladen. {GK 205.3}
Angesichts der drohenden Gefahren stellten die Fürsprecher der Reformation ihre Sache Gott anheim und gelobten, am Evangelium festzuhalten. Der Kurfürst von Sachsen wurde von seinen Räten gedrängt, nicht auf dem Reichstag zu erscheinen; denn der Kaiser verlange nur die Anwesenheit der Fürsten, um sie in eine Falle zu locken. Es sei „ein Wagnis, sich mit einem so mächtigen Feinde in dieselben Mauern einzuschließen.“ (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 2.Abschnitt, 110
) Doch andere erklärten hochherzig, „die Fürsten sollten Mut haben, und Gottes Sache werde gerettet.“ (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 2.Abschnitt, 110) Luther sagte: „Gott ist treu — und wird uns nicht lassen.“ (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 2.Abschnitt, 110) Der Kurfürst und sein Gefolge begaben sich nach Augsburg. Alle kannten die Gefahren, die ihm drohten, und viele gingen mit düsteren Blicken und beunruhigten Herzen einher. Doch Luther, der sie bis Coburg begleitete, ließ ihren sinkenden Glauben wieder aufleben, indem er ihnen das Lied: „Ein feste Burg ist unser Gott“ vorsang. Manche bange Ahnung wurde verscheucht, manches schwere Herz fühlte unter den Klängen dieses begeisternden Liedes den auf ihm lastenden Druck weichen. {GK 206.1}

Die reformierten Fürsten hatten beschlossen, eine Darlegung ihrer Auffassungen in systematischer Zuammenstellung mit Beweisstellen aus der Heiligen Schrift auszuarbeiten, um sie dem Reichstag vorzulegen; die Aufgabe dieser Bearbeitung wurde Luther und Melanchthon sowie ihren Gefährten übertragen. Das auf diese Weise zum Ausdruck gebrachte Bekenntnis wurde von den Protestanten als eine Erklärung ihres Glaubens angenommen, und sie versammelten sich, um dem wichtigen Schriftstück ihre Unterschriften beizufügen. Es war eine ernste Zeit der Prüfung. Die Reformatoren waren ängstlich darauf bedacht, daß ihre Sache nicht mit politischen Fragen verwechselt werde; sie fühlten, die Reformation sollte keinen andern Einfluß ausüben als den, der vom Wort Gottes bestimmt wird. Als die christlichen Fürsten die Konfession unterzeichnen wollten, trat Melanchthon dazwischen und sprach: „Die Theologen, die Diener Gottes, müssen das vorlegen, und das Gewicht der großen der Erde muß man für andere Dinge aufsparen.“ — „Gott gebe“, antwortete Johann von Sachsen, „daß ihr mich nicht ausschließet, ich will tun, was recht ist, unbekümmert um meine Krone; ich will den Herrn bekennen. Das Kreuz Jesu Christi ist mehr wert als mein Kurhut und mein Hermelin.“ (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 6.Abschnitt S. 147f.) Als er dies gesagt, schrieb er seinen Namen nieder. Ein anderer Fürst sprach, als er die Feder ergriff: „Wo es die Ehre meines Herrn Jesu Christi gilt, bin ich bereit, Gut und Leben aufzugeben … Ehe ich eine andere Lehre als die, welche in der Konfession enthalten ist, annehme, will ich lieber Land und Leute aufgeben, und mit dem Stabe in der Hand aus meiner Väter Heimat auswandern.“ (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 6.Abschnitt S. 147f.) In dieser Weise bekundete sich der Glaube und die Unerschrockenheit dieser Gottesmänner. {GK 206.2}

Kaiser Karl V., 1548, früher Tizian zugeschrieben

Es kam die Zeit, da sie vor dem Kaiser zu erscheinen hatten. Karl V., auf seinem Thron sitzend, umgeben von den Kurfürsten und Fürsten des Reiches, schenkte den protestantischen Reformatoren Gehör. Das Bekenntnis ihres Glaubens wurde verlesen. In jener erlauchten Versammlung wurden die Wahrheiten des Evangeliums klar dargelegt und die Irrtümer der päpstlichen Kirche bloßgestellt. Mit Recht ist jener Tag als der größte der Reformation, als einer der schönsten in der Geschichte des Christentums und der Menschheit bezeichnet worden. (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 7.Abschnitt, 156f.) {GK 207.1}

Nur wenige Jahre waren vergangen, seit der Mönch von Wittenberg in Worms allein vor dem Reichstag Jesus Christus bekannt hatte. Nun standen an seiner Stelle die edelsten und mächtigsten Fürsten des Reiches vor dem Kaiser. Es war Luther untersagt worden, in Augsburg zu erscheinen; doch mit seinen Worten und Gebeten war er dabei. „Ich bin über alle Maßen froh“, schrieb er, „daß ich bis zu der Stunde gelebt habe, in welcher Christus durch solche Bekenner vor solcher Versammlung in einem herrlichen Bekenntnisse verkündigt worden ist.“ (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 7.Abschnitt, 156f.) Auf diese Weise erfüllte sich, was die Schrift sagt: „Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen!“ Psalm 119,46. {GK 207.2}

In den Tagen des Paulus war das Evangelium, um deswillen er sich in Gefangenschaft befand, in der gleichen Weise vor die Fürsten und Edlen der kaiserlichen Stadt gebracht worden. Auch bei diesem Anlaß hier wurde das, was der Kaiser von der Kanzel zu predigen untersagt hatte, im Palast verkündigt; was viele sogar für die Dienerschaft als unpassend angesehen hatten, wurde nun von den Herrschern und Herren des Reiches mit Verwunderung vernommen. Könige und große Männer waren die Zuhörer, gekrönte Fürsten die Prediger, und die Predigt enthielt die Wahrheit Gottes. Ein Zeitgenosse, Mathesius, sagte, seit den Zeiten der Apostel hätte es kein größer und höher Werk gegeben. {GK 207.3}

„Was die Lutheraner vorgelesen haben, ist wahr, es ist die reine Wahrheit, wir können es nicht leugnen“, erklärte ein päpstlicher Bischof. „Könnet ihr das von Kurfürsten abgefaßte Bekenntnis mit guten Gründen widerlegen?“ fragte ein anderer Dr. Eck. „Nicht mit den Schriften der Apostel und Propheten“, antwortete Dr. Eck, „aber wohl mit denen der Väter und Konzilien.“ — „Also sind die Lutheraner“, entgegnete der Fragende, „in der Schrift, und wir daneben.“ (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 8.Abschnitt, 167) Einige der deutschen Fürsten waren für den reformierten Glauben gewonnen worden. Der Kaiser selbst erklärte, die protestantischen Artikel seien die reine Wahrheit. Das Bekenntnis wurde in viele Sprachen übersetzt und in ganz Europa verbreitet, und es ist von Millionen Menschen der folgenden Geschlechter als Bekundung ihres Glaubens angenommen worden. {GK 208.1}

Gottes treue Diener arbeiteten nicht allein. Während sie es „mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel“ (Epheser 6,12), die sich gegen sie verbanden, zu tun hatten, verließ der Herr sein Volk nicht. Wären die Augen der Kinder Gottes geöffnet gewesen, hätten sie ebenso deutliche Beweise der Gegenwart und Hilfe Gottes erkannt, wie sie einst den Propheten gewährt worden waren. Als Elisas Diener seinen Meister auf das sie umgebende feindliche Heer aufmerksam machte, das jede Gelegenheit zum Entrinnen nahm, betete der Prophet: „Herr, öffne ihm die Augen, daß er sehe!“ 2.Könige 6,17. Und siehe, der Berg war voll Kriegswagen und feuriger Rosse, das Heer des Himmels stand bereit, den Mann Gottes zu beschützen. So bewachten Engel auch die Mitarbeiter der Reformationsbewegung. {GK 208.2}

Einer der von Luther am entschiedensten vertretenen Grundsätze sprach sich gegen eine Unterstützung der Reformation durch weltliche Gewalt aus. Es sollte keine Forderung an ihre Waffen gestellt werden, um sie zu verteidigen. Er freute sich, daß sich Fürsten des Reiches zum Evangelium bekannt hatten; doch als sie vorschlugen, sich zu einem Verteidigungsbund zusammenzuschließen, „wollte Luther die evangelische Lehre nur von Gott allein verteidigt wissen, je weniger sich die Menschen darein mischten, desto herrlicher werde sich Gottes Dazwischenkunft offenbaren. Alle Umtriebe, wie die beabsichtigten, deuteten ihm auf feige Ängstlichkeit und sündhaftes Mißtrauen“. (D‘Aubigné, ebd., 10.Buch, 14.Abschnitt, 187f.) {GK 208.3}

Als sich mächtige Feinde vereinten, um den reformierten Glauben zu Fall zu bringen, und sich Tausende von Schwertern gegen ihn zu erheben schienen, schrieb Luther: „Satan läßt seine Wut aus, gottlose Pfaffen verschwören sich, man bedroht uns mit Krieg. Ermahne das Volk weiterzukämpfen vor Gottes Thron mit Glauben und Gebet, so daß unsere Feinde, vom Geiste Gottes besiegt, zum Frieden gezwungen werden. Das erste, was not tut, die erste Arbeit, ist das Gebet. Angesichts der Schwerter und der Wut Satans hat das Volk nur eins zu tun: es muß beten.“ (D‘Aubigné, ebd., 10.Buch, 14.Abschnitt, 187f.) {GK 209.1}

Martin Luther, Gemälde von Lukas Cranach d.Ä.

Bei einem späteren Anlaß erklärte Luther, sich wiederum auf den von den protestantischen Fürsten beabsichtigten Bund beziehend, daß die einzige in diesem Streit anzuwendende Waffe „das Schwert des Geistes“ sei. Er schrieb an den Kurfürsten von Sachsen: „Wir mögen in unserem Gewissen solch Verbündnis nicht billigen. Wir möchten lieber zehnmal tot sein, denn solche Genossen haben, daß unser Evangelium sollte Ursach gewesen sein einiges Bluts. Wir sollen wie die Schlachtschafe gerechnet sein. Es muß ja Christi Kreuz getragen sein. Euer Kurfürstliche Gnaden seien getrost und unerschrocken, wir wollen mit Beten mehr ausrichten, denn sie mit all ihrem Trotzen. Allein daß wir unsere Hände rein von Blut behalten, und wo der Kaiser mich und die anderen forderte, so wollen wir erscheinen. Euer Kurfürstliche Gnaden soll weder meinen noch eines anderen Glauben verteidigen, sondern ein jeder soll auf sein eigen Fahr glauben.“ (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 1.Abschnitt, 104) {GK 209.2}

Aus dem Gebetskämmerlein kam die Macht, die bei dieser großen Reformation die Welt erschütterte. Dort setzten die Diener Gottes in heiliger Stille ihre Füße auf den Felsen seiner Verheißungen. Während des Streites in Augsburg verfehlte Luther nicht, täglich „drei Stunden dem Gebet zu widmen; und zwar zu einer Zeit, die dem Studium am günstigsten gewesen wäre“. (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 6.Abschnitt, 152f.) In der Zurückgezogenheit seines Kämmerleins schüttete er sein Herz vor Gott aus „mit solchem Glauben und Vertrauen … als ob er mit seinem Freund und Vater rede. ‚Ich weiß‘, sagte der Reformator, ‚daß du unser Vater und unser Gott bist, daß du die Verfolger deiner Kinder zerstreuen wirst, denn du selbst bist mit uns in der Gefahr. Diese ganze Sache ist dein, nur weil du sie gewollt hast, haben wir sie unternommen. Schütze du uns, o Herr!‘“. (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 6.Abschnitt, 152f.) {GK 209.3}

An Melanchthon, der von der Last der Angst und Sorge niedergedrückt war, schrieb er: „Gnade und Friede in Christo! in Christo, sage ich, nicht in der Welt. Amen! Ich hasse deine Besorgnisse, die dich, wie du schreibst, verzehren, gewaltig. Wenn die Sache falsch ist, so wollen wir widerrufen; wenn sie gerecht ist, weshalb machen wir den, welcher uns ruhig schlafen heißt, bei so vielen Verheißungen zum Lügner? … Christus entzieht sich nicht der Sache der Gerechtigkeit und Wahrheit; er lebt und regiert, und welche Angst können wir noch haben?“ (D‘Aubigné, ebd., 14.Buch, 6.Abschnitt, 152f.) {GK 210.1}

Gott hörte das Flehen seiner Diener. Er gab den Fürsten und Predigern Gnade und Mut, gegenüber den Herrschern der Finsternis dieser Welt die Wahrheit zu behaupten. Der Herr spricht: „Siehe da, ich lege einen auserwählten, köstlichen Eckstein in Zion; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zu Schanden werden.“ 1. Petrus 2,6. Die protestantischen Reformatoren hatten auf Christus gebaut, und die Pforten der Hölle konnten sie nicht überwältigen. {GK 210.2}


aus „Der Große Kampf“, von Ellen G. White, S.197-210, Saatkornverlag Hamburg, 1973; Herausgeber der hier verwendeten digitalen Ausführung: Ellen G. White Estate, Inc.: www.egwwritings.org. Weiterlesen bei https://www.egwwritings.org/